Eckpunkt 11 Eckerts Hotel Nepomuk Bamberg Genuss im Fluss

Baby take me down to Duke´s Place

Bamberg hat schon immer gerne seine Perlen versteckt. Das ist vielleicht dem fränkischen Wesen geschuldet, zeigen wir doch selten gleich auf Anhieb unsere Liebenswürdigkeit. Der Franke wartet gerne erst einmal ab, wie sich der Moment so entwickelt. Doch es ist für Besucher der Stadt eine hervorragende Idee, den Trubel und die Partyzone der Sandstraße zu verlassen und auf der Suche nach musikalischen Kostbarkeiten ein paar Stufen hinab zu steigen.

Schon auf der Treppe begegnet einem der energiegeladene Klang von Klavier, Trompete, Kontrabass und Gitarre. Leicht und dynamisch zugleich, ausdrucksstark und voller ungebremster Improvisationslaune offenbart sich hier ein fränkisches Kleinod.

Der Bamberger Jazzclub ist nicht nur eine fantastische Location mit seinem urigen Sandsteingewölbe, sondern der verantwortliche, den Club leitende Verein mit gut 500 MitgliederInnen hat hier über die Jahre auch eine der renommiertesten Spielstätten für Jazz in der Region geschaffen.

In den 50er und 60er Jahren war der Jazz in Bamberg an vielen Orten präsent, aber doch nirgends fest verankert. In vielen Kneipen und Lokalen, die unter den Bambergern wahren Kultstatus erlangten, wurde enthusiastisch der freien Musik gefrönt. Viele sahen in ihr den Gegenentwurf oder auch die Weiterentwicklung der klassischen Musik. Eine kleine Gruppe von Jazzfans rund um Randolf John hatten den Ansporn, in Bamberg einen Gegenpol zu Brahms und Beethoven zu schaffen, wo eher Basie und Brubeck für Begeisterungsstürme sorgen sollten. 1977 wurde dieser Traum wahr: In der Oberen Sandstraße 18 wurde ein zwar marodes, aber charmantes Kellergewölbe gefunden. Mit der Tatkraft vieler Freiwilliger wurde so eine Spielstätte geschaffen, die sich schnell zu einem Leuchtturm des Bamberger Nachtlebens entwickelte und weit über die Stadtgrenzen hinaus strahlte.

Das lockte in den nun bald 45 Jahren des Bestehens des Jazzclub Bamberg e.V. viele namhafte internationale und nationale Jazzgrößen nach Bamberg unter die Erde. Hier spielten schon Billy Cobham, Klaus Doldinger, Bill Ramsey, Klaus Kreuzeder, Barbara Dennerlein und Katie Webster – neben und mit vielen anderen.

Einen eindrucksvollen Einblick in dieses quirlige Jazzleben gibt das Buch „JazzKeller Bamberg” von Oliver van Essenberg. Das umfassend recherchierte Buch wirft einen tiefen Blick auf den Jazz in Bamberg in einem Zeitraum von sechs Jahrzehnten. Auch sehenswert ist die Galerie im Jazzclub, die von Sabrina Catowiez kuriert wird und die nordbayerische Maler- und Fotografenszene präsentiert. Das Engagement des Vereins wurde 2006 mit dem Berganza Preis und 2009 mit dem Kulturförderpreis der Stadt Bamberg ausgezeichnet, im Jahr 2015 erhielt er den Spielstättenpreis der Bundesregierung. Ein Abstieg in die Bamberger Jazzwelt lohnt sich also. Die Spielzeit ist von Mitte September bis Ende Mai.

Mehr Infos: www.jcbamberg.de

Text: Matz Reichardt • Fotos: Jazz Club Bamberg