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Gärtnerei Eichfelder

Lange schmale Reihen von bunten Salaten, krausem Wirsing und großen Kohlköpfen prägen das Bild der Felder direkt an der Bebauungsgrenze der Stadt. Diese klassische Wechselpflanzung wie zu historischen Zeiten ist nicht nur für das reiche Sortenangebot wichtig, sondern sorgt in Verbindung mit dem zeitversetzten Ausbringen für täglich frische Ernten durch die ganze Saison hindurch.

Viele Gärtner haben ihren Betrieb allerdings schon aufgeben müssen, was auch angesichts der harten körperlichen Anstrengung und der mageren Verkaufserlöse verständlich ist. Doch mit der Rückbesinnung auf gute Produkte aus der Region und einer Professionalisierung in Handel und Vertrieb sind nun einige Anbieter wieder im Aufwind. Ein gutes Beispiel sind hier die beiden Brüder Christian und Hans-Jürgen Eichfelder.

Die Eichfelders sind Gemüsegärtner in vierter Generation. Ihr Stammhaus steht in der Egelseestraße 81 - 83, hinter dem sich, früher noch bewirtschaftete, kleine Felder befinden. Um diese heute noch effizient bestellen zu können, wäre mehr Maschineneinsatz notwenig. Doch diese Geräte passen kaum durch die engen Toreinfahrten und können auf den kleinen Flächen schwer agieren. Christian Eichfelder nutzt daher die alten Schuppen und Scheunen für den konfektionierten Lieferservice und die Direktvermarktung der Produkte seines Bruders aus der Nord- und Südflur, sowie der Waren weiterer regionaler Produzenten, ergänzt um das große Angebot des Nürnberger Großmarktes.

Reichtum vor den Toren der Stadt

Oft fährt er früh morgens um 4 Uhr nach Nürnberg, um dort für seine Kunden aus der Gastronomie sein umfassendes Portfolio abzurunden. Jetzt zur Erntesaison mit dem überbordenden Angebot der Felder ist er jedoch seltener nach Süden unterwegs, sondern häufig in den Lagerhallen und dem großen Kühlhaus in der Gundelsheimer Straße 76 anzutreffen. Hierhin hat sein Bruder Hans-Jürgen im Juni 2013 den Sitz der Gärtnerei verlagert, in direkte Nachbarschaft zum Anbaugebiet in der Nordflur. Hier wachsen Salate wie Rucola, Eisberg, Endivie, Chinakohl, Lollo rosso und bionda, Eichblatt und der klassische Kopfsalat. Wertvolles Gemüse wird hier in Eigenanbau produziert, von Brokkoli und Blumenkohl über Lauch, Sellerie und Kohlrabi, Kartoffeln, Spinat, Bamberger Spitzwirsing, Petersilienwurzel und Fenchel bis hin zu Weißkraut und natürlich Zwiebeln, die den Bambergern auch den Spitznamen „Zwiebeltreter” bescherten.

Mit guter Planung im Kopf und der langen Familientradition im Rücken wird hier zwischen Autobahn, Eisenbahn und Audi-VW-Zentrum von Hans-Jürgen Eichfelder im großen Stil Gemüseanbau betrieben. Nicht in Monokulturen und endlosen Feldern wie in der Agrarindustrie, sondern für den großen lokalen Bedarf vor Ort. Der Bamberger Wochenmarkt will beschickt werden, und auch große Supermärkte wie REWE und EDEKA haben die Verkaufspotenziale echter Regionalprodukte verstanden, deren Frische und Qualität unschlagbar ist.

Logistik und Angebot rechnen sich

So kommt es schon vor, dass frühmorgens gut 1.000 Kisten Salat frisch geerntet von der Halle der Eichfelders zu den zahlreichen Großabnehmern in der Domstadt geliefert werden. Stadtnaher Gartenbau ist das, nicht zu verwechseln mit dem urbanen Gartenbau auf den kleinen Parzellen mitten in der Stadt, wo noch wenige Spezialisten ihre Felder bestellen. Für den eigenen Hofladen reicht das meist aus, doch für die Gastronomie und die ganze Region muss dazu in größerem Stil angebaut werden. Trotzdem bleibt das alles Handarbeit. Maschinen helfen zwar bei der Bodenvorbereitung und unterstützen beim Pflanzen und Aussähen, aber die Ernte ist und bleibt harte Knochenarbeit.

Rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt der Gemüsebaubetrieb von Hans-Jürgen Eichfelder, darunter auch einige erfahrene Helfer aus Polen. Den Mindestlohn begrüßen die Eichfelders ausdrücklich, schließlich vergüten sie die Arbeit schon seit langem gut. „Man muss von dem Lohn für seine harte Arbeit leben können”, so Christian Eichfelder. Und wir können froh sein, dass die Arbeiter aus Polen bereit sind, die Schmerzen und Strapazen der Feldarbeit über sechs bis acht Monate auf sich zu nehmen, denn Deutsche finden sich kaum mehr für harten, körperlichen Einsatz.

Engagement für ein wertvolles Lebensmittel, welches in früheren Zeiten weit mehr Wertschätzung erfahren hat. In der fränkischen Küche stand Gemüse im Zentrum, bis Konsumveränderung und das alltägliche Überangebot billigster Agrarindustrieware es nahezu zur Bedeutungslosigkeit degradierten. Doch immer mehr Verbraucher besinnen sich auf die Nachhaltigkeit, die aus regionaler Warenbeschaffung resultiert. Und auf Regionalität fokussierte Gastronomen wie das Küchenteam vom Eckerts erwarten hochwertige Frischeprodukte von hier. Für diese Nachfrage macht sich Christian Eichfelder mit seinem Laden in der Egelseestraße und dem Lieferservice stark.

Just in time und Vollzeitjob

Laufend klingelt sein Telefon, Kunden brauchen schnell noch Bamberger Rettich oder einige Kilo Salarit, eine spezielle Wirsingsorte. Mit seinem Bruder wird dann bei Bedarf eine schnelle Ernteaktion eingeschoben, wenn die Produkte auf dem Feld reif genug sind. So arbeitet die Familie Eichfelder Hand in Hand mit dem Anbau auf der einen, und der Direktvermarktung auf der anderen Seite.

Einen Dämpfer für diese regionale Erfolgsgeschichte könnte jedoch die geplante ICE-Trasse bedeuten. Sie könnte in manchen angedachten Streckenführungen die Brunnen der Gärtner, aus denen sie in Gemeinschaftseigentum die notwendige Bewässerung sicherstellen, gefährden. Aber ohne Brunnen kein Wasser, und ohne Wasser kein Gartenbau. Auch wenn vier bis fünf verbliebene Anbaubetriebe kaum eine Lobby haben und ihre Sorgen nicht publikumswirksam in Erscheinung treten, wäre ihr Verschwinden, auch in Teilen, tragisch für das Gesamterlebnis Bamberg, auch in kulinarischer Sicht.

Gemüseanbau und Ladengeschäft von Hans-Jürgen Eichfelder
Gundelsheimer Str. 76
96052 Bamberg
www.gärtnerei-eichfelder.de

Obst- und Gemüsehandel, Gastronomieservice von Christian Eichfelder
Egelseestraße 81
96050 Bamberg
www.eichfelder-bamberg.de