Eckpunkt 11 Eckerts Hotel Nepomuk Bamberg Genuss im Fluss
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Genussvoller Gedankenaustausch und konzertante Konversationen

Blick hinter die Kulissen bei einer CD-Produktion

Wieviel Dialog in einer Klassikaufnahme steckt, ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Natürlich gilt Musik als schönste Form weltweiter Verständigung. Doch wieviel Worte nötig sind, damit diese Sprache erklingt, ist erstaunlich.

Wenn im Sommer diesen Jahres die 50. CD-Produktion der Bamberger Symphoniker in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk (BR) im Tudor-Verlag erscheint, reflektiert sie ein ganz besonderes Verhältnis zweier Menschen, die eine tiefe Wertschätzung und lange Freundschaft verband. Sie ist eine Verbindung von Deutschland und Böhmen bzw. Tschechien durch Antonín Leopold Dvořák und seinem Förderer Johannes Brahms. Dieser traf 1877 als Jurymitglied für ein Musikstipendium auf den jungen böhmischen Komponisten und erkannte schnell dessen Talent. Brahms ermutigte seinen Verleger, die „Klänge aus Mähren” zu veröffentlichen.

Mit dieser Sammlung an Duetten gelang Dvořák der Durchbruch, der ihn bis nach New York führte. Doch trotz der Ferne verband beide Komponisten eine tiefe Freundschaft bis an ihr Lebensende. Obwohl beide Romantiker, waren sie kompositorisch eigenständig. Und gerade darin liegt der Reiz, sie in einem Dialog sich wieder begegnen zu lassen.

Vis à vis präsentieren die Bamberger Symphoniker in einer Veröffentlichungsreihe Werke der beiden großen Komponisten in chronologischer Form. Brahms 4. Sinfonie erscheint mit Dvořáks 9. Sinfonie, aktuell läuft die Produktion von Brahms 3. Sinfonie in F-Dur, die mit Dvořáks 8. Sinfonie ein Paar bilden wird. Die Idee für diesen Komponistendialog fand sich bei einem von vielen Gesprächen der Projektverantwortlichen im Eckerts, mit dem der junge Chefdirigent Jakub Hrůša diese besondere Konstellation betonen möchte.

Als Tscheche leitet er ein deutsches Orchester, das wiederum seine Wurzeln in Prag hat und welches besonders in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg als Kulturbotschafter Deutschlands in aller Welt fungierte. Diesen Treffen bei Genuss im Fluss folgte ein umfassender Dialog zwischen dem BR, Tudor und den Bamberger Symphonikern. Das Konzept, einen musikalischen Dialog komponisten- und länderübergreifend wiederzubeleben, ist äußerst reizvoll. Und erfordert viel Sachverstand auf allen Seiten.

Auch wenn im Rahmen der bereits 70jährigen Kooperation des Orchesters mit dem BR jährlich sechs Konzerte aufgezeichnet werden und viele zusätzliche Produktionstage das Orchester in Bamberg erklingen lassen, wofür alle Kabel und technischen Infrastrukturen in der Konzerthalle Bamberg bereit stehen, sind solche Albenaufnahmen alles andere als Routine.

Natürlich sind die Sinfonien Teil des üblichen Repertoirs dieses Weltklasseensembles und die Fertigkeiten jeder/s einzelnen MusikersIn über jeden Zweifel erhaben. Und doch zeigt ein Blick hinter die Kulissen bei den Aufnahmen schnell, wie hier im stetigen Abstimmungsprozess am Optimum gefeilt wird.

Die Notenblätter der MusikerInnen sind gespickt mit handschriftlichen Anmerkungen, und auch am Tag der Aufnahme wird hier und da radiert und ausgebessert, um feinste Nuancen in Dynamik, Interpretation oder der klanglichen Abstimmung zu justieren. Der Chefdirigent Hrůša vermittelt in seinen Ansagen an die Orchestermitglieder äußerst lebendig und emotional genau diese Feinheiten, die nach seiner Werkinterpretation später das Gesamtbild der Aufnahme charakterisieren werden.

Interessant ist daher, welche Rolle der Tonmeister spielt, denn sie geht weit über einen technisch-akustischen Fokus hinaus. In Sebastian Braun weiß der Chefdirigent einen Partner, der mit seiner Werkkunde dafür sorgt, dass die Interpretation genau so auf Tonträger gebannt wird, wie es die Intention von Jakub Hrůša ist. In engen Gesprächen tauschen beide die Wesenszüge und alle Details der Einspielung aus.

Während der Aufnahme verfolgt der erfahrene Tonmeister Braun, der schon viele Klassikproduktionen für den BR mit verantwortet hat, Takt für Takt in der Partitur das Stück. Er kennt die Feinheiten, die Hrůša abbilden möchte und kontrolliert im High-Tech-Aufnahmewagen, ob sie auch so hörbar werden.

Die Produktionen der Bamberger Symphoniker werden immer in ihrer klanglichen Gesamtheit aufgezeichnet und nicht wie in vielen anderen Studiosituationen Instrument für Instrument. Viele Mikrofone höchster Güte sind in und um das große Orchester positioniert und werden als einzelne Audiospuren im ultramodernen Mischpult im BR-Truck verarbeitet.

Dort, direkt hinter der Konzerthalle, sorgen ein Toningenieur samt Assistent vom BR Studio Franken für die perfekte technische Aufnahme der weit über 50 einzelnen Mikrofone. Doch erst der Dialog zwischen Tonmeister, Dirigent und Toningenieur ist der Schlüssel für die Einzigartigkeit dieser Einspielung von Brahms 3. Sinfonie.

Auf der demnächst bei Tudor erscheinenden Doppel-CD Nummer 51 der Bamberger Symphoniker sind dann die vielen Nuancen, die die Vision, die auf die entspannten Gespräche im Eckerts zurückgeht, erzählen, zu hören. Durch ungezählte Dialoge zwischen allen Beteiligten mit und ohne Instrument hat sich dieses Großprojekt fortentwickelt, bis es als universelle Sprache die Ohren der Weltöffentlichkeit erreichen kann.

So werden aufgeschlossene Hörer diesen sehr intensiven Dialog erfahren können – ein Dialog, der von Freundschaft und Wertschätzung erzählt, von Johannes Brahms und Antonín Dvořák, von Deutschland und Tschechien, von Bamberg und Prag.

Text & Fotos: Kopfwerk