Eckpunkt 11 Eckerts Hotel Nepomuk Bamberg Genuss im Fluss
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Mehr Klasse für die Masse

Zufriedene Kunden bekommt man nur, wenn man sich besonders im Detail anstrengt. Das gilt auch für Europas größtes Musikhaus.

Auf dem Monitor signalisieren bunte Symbole mit Datum, was in den nächsten Tagen und Wochen an Arbeit auf den Tisch flattert – oder besser gesagt ins Haus kommt. Allerdings: Wer vom Weltall aus in Satellitenbildern auf das kleine Treppendorf bei Burgebrach geblickt hat, weiß, dass von „Haus” dort längst keine Rede mehr sein kann.

Hochregallager, LKW-Laderampen, moderne Verwaltungsgebäude – der Thomann-Komplex ist größer als das Dorf selbst. In diesen Tagen werden drei weitere gigantische Lagerhallen in den Betriebsablauf integriert, die noch mehr Platz und mehr Möglichkeiten bieten, aber die vor allem optimal ausgestattete Arbeitsplätze für die Qualitätssicherung bereithalten.

Nichts geht ungeprüft auf die Reise

Joeri Hommerson schließt den schwarzen E-Bass eines Kunden an den Verstärker in der Werkstatt an und spielt aufmerksam einige Basslinien. Schnell ist das Problem erkannt und eine Lösung gefunden. „Tausche die beiden Tonabnehmer untereinander und verändere die Einstellung der Saiten”, gibt er an seinen Kollegen weiter. Der Kunde war mit der Ausgewogenheit des Instrumentes nicht so ganz glücklich – und genau damit trifft dieser einen wunden Punkt im Selbstverständnis von Hans Thomann als Musikalienhändler: Thomann will keine unzufriedenen Kunden. Deshalb ist Joeri Hommerson nun seit fast einem Jahr mit an Bord. Der Profibassist, der in seiner Laufbahn schon mit fast allen Größen im Rock- und Popgeschäft gearbeitet hat, ist für die Qualität der Saiteninstrumente zuständig. Mit seinem 12köpfigen Team aus überwiegend erfahrenen Instrumentalisten will er dafür sorgen, dass kein Instrument mehr zurückkommt, weil man etwas hätte besser machen können.

Es mag unglaublich erscheinen, dass in einem der weltweit größten Musikversandhäuser mit alleine 1.226 MitarbeiterInnen am Standort Treppendorf und vier vollautomatischen riesigen Kleinteillagerhallen trotzdem jedes Instrument ab 50 € aufwärts von Musikerhand individuell überprüft wird: auspacken, begutachten auf Blessuren, Lackzustand und Verarbeitung, stimmen und Einstellungen optimieren, anschließend kurz anspielen – all das passiert tagtäglich mit unzähligen Saiteninstrumenten unter der Aufsicht von Joeri Hommerson, bzw. bei anderen Instrumentenarten von anderen Qualitätsmanagern.

Informationstechnologie zur Markenpflege

Jede Kleinigkeit, die dieser intensiven Eingangskontrolle auffällt, wird akribisch dokumentiert und analysiert. Mit den zahlreichen Eigenmarken wie Harley Benton, Stairville oder Millenium wird ein guter Teil des Umsatzes erzielt. Durch die konsequente Fehleranalyse am Ende der langen Seereise aus Indonesien oder China sollen so Schritt für Schritt alle Details optimiert werden, die die Freude beim Kunden schmälern können. Hans Thomann junior, der das Musikhaus nun seit vielen Jahren alleine führt, will erreichen, dass eine Gitarre für 70 € genauso zufriedenstellt wie eine edle Fender Stratocaster aus dem Custom Shop für mehrere tausend Euro. Dass dies durchaus möglich ist, bestätigt das unglaubliche Wachstum des Onlinehändlers aus Treppendorf.

Unter der Leitung von Joeri Hommerson kontrolliert und optimiert jede/r im Team gut 40 bis 50 Instrumente am Tag. und kann im komplexen Intranet sehen, was aktuell an Kontrollen ansteht und welche Containerlieferung mit welchen Bass- oder Gitarrenmodellen wann eintreffen wird. 100 von dieser Variation, 1.000 von jener, 50 von einer anderen Ausführung eines jeweiligen Grundmodels warten darauf, den notwendigen „geprüft”-Vermerk zu erhalten. Was dann ins Lager wandert und fertig für den Verkauf ist, ist zu 100 % überprüft. Ein großer Aufwand für hohe Kundenzufriedenheit, der sich rechnet. Denn Dank der problemlosen Rückgabe bei Nichtgefallen binnen 30 Tagen ist die Hemmschwelle, einen Artikel zurückzuschicken, sehr niedrig. Wenn jedoch alles perfekt ist, entscheiden sich natürlich mehr Kunden, ihre Bestellung zu behalten.

Vom Feld hinaus in alle Welt

Was als kleiner und mit viel persönlichem Engagement von Hans Thomann senior geführter Instrumentenladen mit Fachwerkstatt vor bald 65 Jahren begann, ist heute eine weltweit bekannte Adresse für Musiker. Vater Hans, der 2004 verstarb, hat seinerzeit eifrig die Blaskapellen der Region auf dem Motorrad abgeklappert, um Ersatzteile zu liefern, zu beraten und zu helfen – und natürlich um zu verkaufen. Denn wer tief im ländlich geprägten Steigerwald sitzt, muss sich etwas einfallen lassen, um als Musikalienhändler erfolgreich zu sein. Dass heute aus Europas größtem Musikhaus täglich gut 80.000 Pakete in alle Welt gehen, ist seinem Sohn Hans zu verdanken. Er erkannte nicht nur die Chancen im Onlinehandel, als er bereits 1996 den ersten Onlineshop eröffnete, sondern wusste auch, worauf es MusikerInnen ankommt. Anfänger und Amateure geben alles für ihr Hobby, aber der Geldbeutel ist schmal. Neben günstigen Preisen setzt Hans Thomann jun. auf zwei wichtige Säulen: eine dreijährige Garantie und vor
allem auf eine umfassende 30-Tage-Geld-zurück-Garantie. Zögern, zweifeln und zaudern wurde so für Musiker unbedeutend. Der Onlinehandel explodierte schier, knapp eine Million Kunden kaufen über das Internet im kleinen Treppendorf ein.

Ein bezahltes Hobby

Die Arbeit ist aufregend und ständig gibt es neue Herausforderungen. Trotzdem hat Joeri Hommerson gerne den stressigen Touralltag mit bis zu 200 Konzerten pro Jahr auf Seite gelegt. „It‘s a paid hobby”, grinst er und zeigt stolz den perfekt klimatisierten Verkaufsraum mit unzähligen Pretiosen, die das Herz jedes Gitarristen und Bassisten höher schlagen lassen. Er ist ein wahrer Musikbesessener, was ihm wohl in die Wiege gelegt wurde: Sein Vater war erfolgreicher Konzertpianist, die Mutter Opernsängerin, und Joeri war schon im zarten Kindesalter musikalisch aktiv. Später folgte unter anderem ein Jazzbass-Studium am Kontrabass und zahllose Engagements, unter anderem als Livebassist auf Welttourneen. Dort konnte er auf allen Kontinenten seine Fähigkeiten als Basser mit extrem flinken Daumen, der den berühmten Slapkünsten eines Mark King von Level 42 in nichts nachsteht, einem Weltpublikum präsentieren.

Günstig ist nicht billig.

Dass man es mit einer wahren Koryphäe zu tun hat, merkt man im Gespräch mit Joeri Hommerson kaum. Der offene und humorvolle Holländer, der viele Jahre in Norwegen gelebt und gewirkt hat, nimmt sich selbst nicht so ernst – seine Arbeit bei Thomann hingegen umso mehr. Und so präsentiert er stolz zum Abschluss noch den aktuellen Prototypen eines hochwertigen E-Basses, den er konzipiert und mit dem Team des Musikhauses Thomann entwickelt hat. Makellos soll er werden, aber trotzdem enorm preiswert, weit unterhalb dessen, was Instrumente dieser Verarbeitungsqualität üblicherweise kosten. Damit das auch langfristig gelingt, ist Joeri Hommerson mit all seiner musikalischen Erfahrung und seinem Team in der Qualitätssicherung für Saiteninstrumente gefragt. Mit ihrem laufenden Einsatz und permanenter Rückmeldung an die Instrumentenbauer in Asien sorgen sie dafür, dass der Kunde absolut zufrieden sein kann. Das bedeutet weiterhin viel Handarbeit für gute Qualität trotz industriellem Niveau.

Text: Kopfwerk • Fotos: Thomas Paal